Schwarzweiss Fotografie im digitalen Zeitalter – warum weniger manchmal mehr ist.

Schwarzweiss Fotografie

Als ich mit 16 meine erste analoge Spiegelreflexkamera gekauft hatte, dann war das für mich der Einstieg in die Welt der kreativen und auch der professionellen Fotografie.

Und es dauerte nicht lange, bis ich mein erstes Experiment mit einem Schwarzweissfilm wagte. Ein Ilford Schwarzweissfilm.

Das Ergebnis der 36 Aufnahmen gefiel mir schon sehr gut, doch hatte ich das Gefühl, dass ich noch mehr aus der Sache herausholen konnte, als auf dem wenig kontrastigen Foto Abzug zu erkennen war.

Mein Lieblings Schwarzweissfilm ist und bleibt der Fuji Neopan Professional.

Mit diesem Film habe ich Abzüge bekommen, wie ich sie mir vorstellte. Grobkörnig und Kontrastig. Ganz nach meinem Geschmack.

Oft pushte ich auch den Film von seiner 400 ASA Empfindlichkeit auf 800 oder 1600 ASA und bekam so noch mehr Kontrast und noch mehr Körnigkeit. Herrlich!

Dann mit meiner ersten Digitalen Spiegelreflexkamera, der Canon 5D war Körnigkeit plötzlich total verpönt. Das hängt natürlich mit der Vorherrschenden Meinung in Foto Foren zusammen.

Wenn der Großteil der Gesprächsteilnehmer Pixel Peeper sind und jede Vignettierung und jedes Korn weghaben möchte, dann bildet so etwas die Meinung einer ganzen Foto Gemeinschaft.

War ich im analogen Zeitalter ein begeisterter Schwarzweiss Foto Fan, so veränderte sich dies im digitalen Zeitalter schon allein dadurch, weil man immer die Wahl hatte.

Im Filmzeitalter musste man eine Entscheidung treffen.

Hatte ich einen Schwarzweissfilm eingelegt, dann hieß das für 36 Aufnahmen in Schwarzweiss denken.

Wie würde das in Schwarzweiss aussehen?

Im digitalen Zeitalter konnte ich die RAW Aufnahme in Farbe oder Schwarzweiss entwickeln. Das kann man machen wie man will.

Und immer öfter fiel die Entscheidung auf Farbe.

Kürzlich habe ich ein Video bewusst in Schwarzweiss Aufgenommen. Und ich war total begeistert.

Dieses Gefühl von früher war wieder da.

Schwarzweiss ist auch ein bewusstes Weglassen.

Besonders heutzutage, wo die Möglichkeiten unbegrenzt scheinen, gibt die Reduzierung, dem Zuschauer ein sicheres Gefühl!

Man kann sich komplett auf Licht und Schatten konzentrieren. Es gibt keinen falschen Weissabgleich oder chromatische Aberation.

Auch führt die Schwarzweiss Fotografie zurück zu den Anfängen der Fotografie, die zuallererst in Schwarzweiss stattfand.

Auch werden Unschärfen, Verwacklungen und verwischte Bewegungen nicht als Fehler wahrgenommen, sondern oft auch als gestalterisches Stilmittel akzeptiert.

Wenn man ein Schwarzweiss Foto sieht, dann weiss man gleich, OK, das ist Kunst oder mit künstlerischer Absicht aufgenommen.

Schwarzweiss ist auch eine künstlerische Nische, die einem kreative Freiheit erlaubt, einfach, weil niemand von Schwarzweiss Realität erwartet.

Farbaufnahmen und Fotos, das will die Realtiät abbilden. Das sind Nachrichten, das ist heute und jetzt.

Schwarzweiss Aufnahmen schaffen die nötige Distanz zwischen Ereigniss und Betrachter. Es ist eine andere Art zu fotografieren und auch eine andere Art ein Bild zu erleben.

Es verlangt auch eine Entscheidung von mir.

In RAW ist diese Entscheidung leider nie endgültig, auch wenn im Schwarzweiss Modus fotografiert, öffnet Lightroom oder Adobe Camera RAW das Foto standardmäßig in Farbe.

Ich muss also in der Entwicklung nochmal die Entscheidung treffen, dass dieses Foto jetzt Schwarzweiss wird.

Was mich früher und heute an Schwarzweiss Fotografie fasziniert hat, waren auch immer die Kontraste.

Da wurden je nach Lichtsituation die Bilder in sattem Schwarz und strahlendem Weiss wiedergegeben.

Heute haben die Menschen Angst davor, irgendetwas zu verlieren. Und sei es nur Bildinformation im Histogramm.

Man bewegt sich immer nur in der Komfortzone der Grautöne. Was oft einfach zu gewöhnlichen Bildern mit flachen Gradationskurven führt.

Zu Schwarzweissfotografie gehört immer Mut dazu.

Erstmal der Mut, Farbe wegzulassen und sich nur auf Helligkeit und Dunkelheit zu konzentrieren.

Und schließlich, das monochrome  Bild mit starken Kontrasten zu einer wahren Aussagekraft zu führen.

Gerade in der Portraitfotografie ist der Schwarzweiss Look unerreicht.

Aber auch für alle anderen Aufnahmen sollte man sich genau überlegen, ob man sich nicht einfach mal auf Schwarzweiss reduzieren sollte.

Weniger ist nicht immer schlechter, weniger ist manchmal mehr.

Zu diesem Thema ist noch nicht das letzte Wort gefallen. Aber heute einmal bis hierhin.

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